Notiz
Volle Balken heißen nichts
Der Mobilfunkempfang zeigt Bestwerte, und trotzdem lädt keine Seite. Die Zahl, die überall angezeigt wird, ist die am wenigsten aussagekräftige von allen.
Worum es geht: Wer im Wohnmobil, Boot oder Ferienhaus über Mobilfunk ins Internet geht, schaut irgendwann auf die Empfangsanzeige, die Balken am Handy oder die Signalwerte in der Oberfläche des Routers. Die Zahl dahinter heißt RSSI, und sie ist die am wenigsten aussagekräftige von allen.
RSSI sagt nur, wie laut der Sendemast zu hören ist. Nicht, ob man ihn versteht.
Ein Beispiel aus der Praxis
In Kroatien und Italien standen mehrfach Werte an wie:
RSSI −58 dBm → nach jeder Anzeige "sehr gut"
SINR −1 dB → unbrauchbar
Übersetzt: Der Mast ist laut zu hören. Alle anderen Teilnehmer in der Zelle aber auch. Das Nutzsignal geht im Rest unter. Die Zelle ist schlicht überlastet.
Die Werte, auf die es ankommt
- RSSI – wie viel Leistung ankommt. Beantwortet nur: Ist überhaupt etwas da?
- SINR – Verhältnis von Nutzsignal zu Störung und Rauschen. Das ist der Wert, der über die tatsächliche Geschwindigkeit entscheidet. Grob: über 20 dB sehr gut, unter 0 dB praktisch unbrauchbar.
- RSRQ – die Qualität des empfangenen Referenzsignals. Fällt mit der Auslastung der Zelle und ist deshalb ein guter Frühwarnwert.
Die meisten Router zeigen alle drei an, nur eben nicht auf der Startseite.
Was hilft – und was nicht
Gegen eine überlastete Zelle hilft nichts, was man am eigenen Gerät einstellen kann: keine andere Antenne, kein Neustart, kein festgesetztes Frequenzband. Nur ein anderer Standort oder eine andere Zelle. Ein paar hundert Meter weiter kann alles anders sein, und auf einem vollen Campingplatz reicht es manchmal schon, bis zum Abend zu warten.
Wer Mobilfunk beurteilen will, schaut auf SINR und RSRQ. RSSI beantwortet nur die Frage, ob überhaupt etwas da ist.