Notiz
RuuviTag im Victron Cerbo, ganz ohne Bastelei
Temperatur und Luftfeuchte im Wohnmobil messen, ohne ein Kabel zu ziehen und ohne Node-RED. Venus OS erkennt die Funksensoren von selbst. Es gibt genau drei Dinge, die man dabei wissen sollte.
Worum es geht: In vielen Wohnmobilen und Booten sitzt ein GX-Gerät von Victron, zum Beispiel ein Cerbo GX. Das ist der kleine Rechner, bei dem Batteriewächter, Solarregler und Tankgeber zusammenlaufen und der die Werte anzeigt. Was dort standardmäßig fehlt, ist die schlichteste Angabe überhaupt: Wie warm ist es eigentlich? Im Wohnraum, im Kühlschrank, im Fach mit den Batterien.
Der Cerbo hat zwar Eingänge für Temperaturfühler, aber die wollen alle ein Kabel. Und ein Kabel vom Kühlschrank bis unter die Sitzbank zu ziehen, ist in einem fertig ausgebauten Fahrzeug eine Nachmittagsbeschäftigung mit ungewissem Ausgang.
Die kurze Antwort
Es gibt nichts zu bauen. Venus OS, die Software auf dem GX-Gerät, liest Bluetooth-Sensoren von Haus aus. Der bekannteste davon ist der RuuviTag, ein finnischer Sensor in der Größe eines Flaschendeckels: Knopfzelle drin, Temperatur, Luftfeuchte und Luftdruck raus. Er funkt einfach alle paar Sekunden in die Gegend, ohne Anmeldung, ohne Konto, ohne App-Zwang.
Der Ablauf:
- Sensor auspacken, Lasche aus dem Batteriefach ziehen, er sendet ab sofort.
- Am GX-Gerät unter Einstellungen → Integrationen → Bluetooth-Sensoren die Sensoren einschalten. In älteren Venus-Versionen lag der Punkt woanders, aber er hieß immer so ähnlich.
- Jeder Sensor in Reichweite taucht in der Liste auf. Umlegen, fertig.
Das war es. Kein Treiber, kein Node-RED, keine zusätzliche Hardware. Danach ist der Sensor ein Gerät wie jedes andere: Er steht im Menü, er steht im VRM-Portal, man kann Alarmschwellen darauf setzen und ihn in eigenen Abläufen verwenden.
Der Vollständigkeit halber: In derselben Liste tauchen auch Ultraschall-Tanksensoren von Mopeka auf. Wer schon einen davon im Tank hat, hat den Weg für die Temperaturfühler längst offen.
Es gibt nicht den RuuviTag
Das ist der Punkt, an dem man vor dem Kauf zwei Minuten nachdenken sollte, denn die Modelle unterscheiden sich mehr, als der gemeinsame Name vermuten lässt:
| Modell | Misst | Dicht | Temperaturbereich |
|---|---|---|---|
| RuuviTag, weiß | Temperatur, Luftfeuchte, Luftdruck, Bewegung | IP67 | −20 bis +70 °C |
| RuuviTag Pro 3in1 | Temperatur, Luftfeuchte, Bewegung | IP67, atmungsaktive Membran | −40 bis +85 °C |
| RuuviTag Pro 4in1 | wie 3in1, plus Luftdruck | IP67 | −40 bis +85 °C |
| RuuviTag Pro 2in1 | nur Temperatur und Bewegung | IP68 und IP69K | −40 bis +85 °C |
Der weiße Standard-Tag ist leichter und reagiert dadurch schneller auf Temperaturänderungen, was ihn drinnen angenehm macht. Die Pro-Modelle sind schwerer, robuster und halten den doppelten Temperaturbereich aus. Und wer einen Fühler dorthin legt, wo es nass wird, nimmt den 2in1, verzichtet dafür aber auf die Luftfeuchte.
Bei mir sitzen deshalb drinnen die weißen und draußen ein Pro 3in1: Der hält den Winter aus, und seine Membran lässt die Luftfeuchte durch, ohne Wasser hereinzulassen. Der fehlende Luftdruck ist draußen verschmerzbar, drinnen liefern ihn ja vier andere.
Kleine Falle am Rande: Das GX-Gerät nennt jeden davon schlicht „RuuviTag”. Wer nach zwei Jahren wissen will, welches Modell wo verbaut ist, sieht es an den Werten: Kommt ein Luftdruck an, steckt ein Barometer drin. Fehlt die Luftfeuchte, ist es ein 2in1. So habe ich meinen eigenen Bestand nachträglich auseinandersortiert.
Namen geben, sonst wird es unübersichtlich
Ab Werk heißt jeder Sensor nach seiner Funkkennung, etwa „Ruuvi 7F22”. Bei fünf Stück im Fahrzeug ist das unbrauchbar. Unter Einstellungen → Geräte → [Sensor] → Gerät lässt sich der Name frei setzen: Innen, Kühlschrank, Kühlbox, Technik, Aussen.
Eine Ebene daneben, unter Setup → Typ, steht die zweite Einstellung, die man gemacht haben sollte:
Battery, Fridge, Generic, Room, Outdoor, Water Heater, Freezer. Der Messwert ändert sich dadurch nicht, die Einordnung schon. Ein Fühler, der als Fridge eingetragen ist, gehört sichtbar zum Kühlschrank und nicht in dieselbe Schublade wie der draußen am Aufbau. Das klingt nach Kosmetik und ist der Unterschied zwischen einer Liste, die man liest, und einer, die man überfliegt.
Was der Cerbo über die Knopfzelle verrät
Das ist der Punkt, den ich selbst unterschätzt hatte. Auf der Geräteseite steht nicht nur der Messwert, sondern auch die Spannung der Knopfzelle, samt eigener Statusbewertung:
Und es bleibt nicht bei der Anzeige: Das GX-Gerät meldet sich von allein, wenn eine Zelle leer wird. Damit erledigt sich die schlimmste Sorge bei Funksensoren, nämlich dass man den Ausfall erst bemerkt, wenn ein Wert seit drei Tagen derselbe ist.
Erwarten sollte man rund ein Jahr je Zelle. Das Datenblatt nennt zwölf bis vierundzwanzig Monate, in meinem Fahrzeug ist es eher das untere Ende. Kein Wunder: Der eine liegt im Kühlschrank, der andere im Sommer bei 34 °C im Technikfach, und Knopfzellen mögen beides nicht besonders.
Die drei Dinge, die man wissen sollte
Erstens: Scannen kostet WLAN. Ganz oben im Menü steht die Warnung „Kontinuierliches Scannen kann den Wi-Fi-Betrieb stören”. Die ist keine Floskel. Bluetooth und 2,4-GHz-WLAN teilen sich dasselbe Frequenzband, und in vielen Geräten sitzen beide in derselben Funkeinheit. Wer dauerhaft scannen lässt, statt nur regelmäßig kurz hinzuhören, kann sich damit eine wacklige WLAN-Verbindung einhandeln und sucht die Ursache danach beim Router. Für einmal Einrichten anschalten, danach wieder zurückstellen.
Zweitens: Bluetooth mag keine Metallwände. Der Sensor im Kühlschrank meldet sich zuverlässig, der im hintersten Stauraum eines Fahrzeugs mit Aluaufbau vielleicht nicht. Das probiert man aus, bevor man den Deckel zuschraubt.
Drittens: Ein Fühler in der Liste ist womöglich gar keiner. Ein GX-Gerät kann auch virtuelle Temperatursensoren führen, also Werte, die irgendein anderes Gerät im Netzwerk hineinschreibt. Bei mir ist das der Router im Fahrzeug, der seine eigene Gehäusetemperatur meldet und mit rund 70 °C zwischen lauter Wohnraumwerten steht. Auf den ersten Blick sieht das nach einem sehr dringenden Problem aus. Wenn in der Temperaturliste also ein Wert steht, der unmöglich erscheint, ist die erste Frage nicht „welcher Sensor ist kaputt”, sondern „ist das überhaupt ein Sensor”.
Wie das bei mir im Fahrzeug aussieht und wo die fünf Sensoren sitzen, steht auf der Seite zur Energieanlage.