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Projekt

Das Bordsystem auf dem Handy

Ein eigenes Bedienbild für Batterie, Tanks, Licht, Klima und Ladebooster. Gebaut in Node-RED auf dem Cerbo GX, ohne zusätzliche Hardware, ohne Cloud, im eigenen WLAN erreichbar.

FertigStand: 2026-09VictronCerbo GXNode-REDWohnmobil


Das hier war der Ausgangspunkt.

Originales Niesmann+Bischoff Bedienpanel von 1998 mit einzeiligem grünen Display, vier Tasten und fünf Kippschaltern
Das Bedienpanel, mit dem der Flair 1998 ausgeliefert wurde. Eine Zeile, grün hinterleuchtet.

Eine Zeile Text, vier Tasten: eine für die Batterie, eine fürs Wasser, dazu SET und Eingabe. Im Display steht FRISCHW. 10%. Mehr als eine Zahl gleichzeitig gibt es nicht. Wer den zweiten Wert sehen will, drückt weiter. Für 1998 war das ordentlich. Informativ war es nie, und zeitgemäß ist es lange nicht mehr.

Heute hängt im Wohnmobil eine GX Touch, und daneben liegt ein Tablet mit der Victron-Oberfläche. Beide zeigen das meiste von dem, was hier zählt: Batterie, Solar, Wechselrichter, Tanks, Temperaturen. Das ist gut gemacht, und ehrlicherweise fehlt inhaltlich wenig.

Übersichtsseite auf dem Telefon mit MultiPlus-Zustand, 99 Prozent Batterie, den Quellen Landstrom, Solar und Lichtmaschine sowie den Verbrauchern
Die Eingangstür: der Zustand des MultiPlus im Klartext, darunter die Batterie, dann woher der Strom kommt und wohin er geht.

Warum dann noch etwas Eigenes? Weil „das meiste” nicht dasselbe ist wie „so, wie ich es brauche”. Die Reihenfolge ist vorgegeben, die Gewichtung auch, und manches war nie dabei. Die Klimaanlage zum Beispiel lief immer über einen eigenen Weg, und die Gasheizung soll später dazukommen, sobald die Frage nach dem Thermostat geklärt ist.

Diese Seiten sind also der Versuch, eigene Prioritäten zu setzen und alles an eine Stelle zu holen. Sie laufen auf dem Cerbo GX selbst, im eigenen WLAN, und werden mit dem Telefon aufgerufen, das ohnehin in der Tasche steckt. Der eigentliche Gewinn liegt dabei woanders als in der Technik: Was oben steht und wie es aussieht, entscheide ich.

Die Seiten

Übersicht ist die Eingangstür. Oben der Zustand des MultiPlus im Klartext statt als Zahlencode, darunter die Batterie, dann woher der Strom kommt und wohin er geht. Die Aufteilung ist Absicht: Die häufigste Frage im Wohnmobil ist nicht „wie viel Volt”, sondern „reicht das noch”.

Sensoren hat zwei Ansichten. Unter Tanks stehen Frischwasser, Grauwasser, Gas und Diesel nebeneinander, vier Geber ganz unterschiedlicher Bauart, gleich dargestellt. Unter Temperaturen die Fühler, die tatsächlich etwas entscheiden: innen, außen, Kühlbox, Kühlschrank.

Tankansicht mit Frischwasser 98 Prozent, Grauwasser 0 Prozent, Gas 92 Prozent und Diesel 66 Prozent, darunter der Hinweis Dieselgeber stumm
Vier Geber unterschiedlicher Bauart, gleich dargestellt. Unten der Hinweis, dass der Dieselgeber gerade nichts Brauchbares liefert.
Temperaturansicht mit Werten für innen, außen, Kühlbox und Kühlschrank
Die Fühler, die im Alltag wirklich eine Entscheidung auslösen.

Auf dem ersten Bild steht ein Hinweis, den die meisten Anzeigen verschweigen würden: Dieselgeber stumm. Der Ultraschallgeber am Dieseltank liefert regelmäßig unbrauchbare Messungen, und in dieser Zeit läuft die Anzeige auf einem gerechneten Wert weiter. Die Seite sagt genau das, statt einen Wert zu zeigen, als sei er gemessen. Woran das liegt, steht auf einer eigenen Seite. Eine Anzeige, die im Zweifel schweigt, ist mir lieber als eine, die sich etwas ausdenkt.

Schalter fasst zusammen, was über Funkrelais hängt: die vier Lichtkreise mit Dimmer, Kühlbox, Kühlschrank, Klimaanlage, Gasheizung, Außensteckdose. Die Wattzahl steht daneben, damit man sieht, was ein vergessenes Licht kostet.

Schalterseite mit vier Lichtkreisen samt Dimmer sowie Kühlbox, Klimaanlage, Kühlschrank und Gasheizung, jeweils mit Wattangabe
Alles, was über ein Funkrelais hängt, an einer Stelle. Die Wattzahl daneben macht aus einem Schalter eine Entscheidung.

Eine Bedingung war mir dabei von Anfang an wichtig: Die originalen Schalter müssen weiter funktionieren. Wer den Kippschalter am Panel drückt, bekommt das, was er immer bekommen hat.

Die originalen Kippschalter am Bedienpanel, beschriftet mit Motor, EIS EX und weiteren Symbolen
Dieselben Kippschalter wie 1998, und sie tun weiter, was sie immer getan haben.

Technisch schaltet der Kippschalter den Verbraucher allerdings nicht mehr selbst. Er liegt auf dem Eingang des Funkrelais, und geschaltet wird dahinter. Damit das originale 12-Volt-Signal dort überhaupt ankommt, sitzt ein kleiner Signalumsetzer dazwischen.

Der Umweg hat einen Vorteil, den man erst im Betrieb merkt: Beide Wege laufen über dasselbe Relais. Es gibt keinen Zustand, in dem das Telefon etwas anderes anzeigt, als der Schalter gerade tut. Und wer ins Fahrzeug steigt und von der Technik nichts weiß, bedient es wie 1998. Nichts ist tot, nichts hat einen Zettel „bitte nicht benutzen”.

Klima bedient die Gree-Anlage direkt über das Fahrzeugnetz: Sollwert, Betriebsart, Lüfterstufe. Die Anlage kann Cloud, aber sie muss nicht.

Klimaseite mit Sollwert, Betriebsart und Lüfterstufe der Klimaanlage
Die Klimaanlage über das eigene Netz statt über die Cloud des Herstellers.

Solar zeigt beide Laderegler getrennt: gerade jetzt, der Tagesverlauf, und die letzten dreißig Tage als Balken. Die dreißig Tage sind die einzige Ansicht, die wirklich etwas verrät. Ein einzelner Tag sagt bloß, ob die Sonne schien.

Solarertrag beider Laderegler über dreißig Tage als Balkendiagramm
Dreißig Tage nebeneinander. Erst über diesen Zeitraum sieht man, was die Anlage wirklich leistet.

MultiPlus ist die Seite für den Stellplatz: Betriebsart umschalten und vor allem die Landstrom-Grenze setzen. 3, 6, 10 oder 16 Ampere, je nachdem, was an der Säule steht.

MultiPlus-Seite mit Betriebsart und der einstellbaren Landstrom-Grenze von 3, 6, 10 oder 16 Ampere
Die wichtigste Einstellung nach dem Einstöpseln, und sie ist genau zwei Fingertipps entfernt.

Ladebooster vergleicht die beiden Booster an der Lichtmaschine: jetzt, auf der letzten Fahrt, und über alle aufgezeichneten Fahrten. Der Vergleich war der eigentliche Anlass. Zwei baugleiche Geräte an derselben Lichtmaschine sollten ungefähr dasselbe liefern. Tun sie nicht, und das sieht man erst, wenn man es nebeneinanderlegt.

Vergleich der beiden Ladebooster über alle aufgezeichneten Fahrten
Zwei baugleiche Geräte, dieselbe Lichtmaschine, über alle aufgezeichneten Fahrten übereinandergelegt.

Wo das läuft

Auf dem Cerbo GX läuft ohnehin Node-RED. Die Seiten sind dort ein paar zusätzliche Abläufe: einer liefert die Seite, einer liefert die Werte als JSON, einer nimmt Schaltbefehle entgegen. Kein zusätzlicher Rechner, kein Server, kein Dienst im Internet.

Dahinter steckt keine Sparsamkeit, sondern Erfahrung. Der Router im Fahrzeug steht selten ohne Verbindung da, aber vorkommen kann es immer. Und grundsätzlich gilt: Ein Bordsystem muss ohne Hilfe von außen laufen. Was ohne Internet nicht funktioniert, taugt im Wohnmobil nicht. Alles, was diese Seiten brauchen, liegt im Fahrzeug: die Werte, die Schriftarten, die Symbole, die Zeichnungen. Es wird nichts nachgeladen.

Tag und Nacht

Die Seiten haben zwei Farbfassungen. Nachts im dunklen Wohnmobil ist eine helle Seite ein Schlag ins Gesicht, draußen in der Sonne ist eine dunkle Seite unlesbar. Beides kommt vor, also gibt es beides.

Übersichtsseite in der hellen Farbfassung
Tagfassung.
Dieselbe Übersichtsseite mit denselben Werten in der dunklen Farbfassung
Nachtfassung. Dieselbe Seite, dieselben Werte, ein Satz Farbnamen mit zwei Belegungen.

Es gibt genau einen Satz Farbnamen und zwei Belegungen dafür. Keine Seite erfindet eine eigene Farbe. Das klingt nach Kleinigkeit, war aber die Arbeit: In den Einzelseiten steckten neunundvierzig fest eingetragene Farbwerte, die alle heraus mussten, bevor das Umschalten überhaupt funktionieren konnte.

Drei Zustände: Ohne eigene Wahl folgt die Seite der Einstellung des Geräts, sonst gilt, was oben im Kopf gewählt wurde. Das Skript, das darüber entscheidet, muss ganz oben im Kopf der Seite stehen. Steht es weiter unten, sieht man beim Öffnen für einen Wimpernschlag die falsche Farbe aufblitzen. Nachts merkt man das sofort.

Was dabei hängen geblieben ist

Ein ankommender Wert ist noch kein richtiger Wert. Der MQTT-Broker im Cerbo schickt jede Minute alles noch einmal, was jemand abonniert hat. Wer daraus schließt, ein Gerät melde sich gerade, irrt. Jeder Wert trägt hier ein Alter mit sich, und die Seiten rechnen damit.

Die günstige Lösung ist die, die keine neue Schicht braucht. Es gab bei jedem Schritt die Möglichkeit, noch einen Dienst, noch einen Rechner, noch eine Datenbank danebenzustellen. Nichts davon steht jetzt im Fahrzeug, und genau deshalb läuft es auch dann, wenn der Platz kein Netz hat.

Was bei Ausfall nur ärgert, darf am Netz hängen. Was bei Ausfall gefährlich wird, nicht. Licht und Kühlbox schalten über WLAN-Relais. Alles, was mit der Lichtmaschine, dem Starter oder der Gasanlage zu tun hat, hängt an fest verdrahteter Logik im Cerbo.

Was das nicht ist

Kein Produkt, keine App, nichts zum Herunterladen. Die Seiten sind auf genau dieses Fahrzeug zugeschnitten, auf seine Geber, seine Tankgrößen, seine Kalibrierwerte. Vieles davon ist über Wochen ausgelitert und nachgemessen worden und gilt nur hier.

Wer so etwas nachbauen will: Die Bausteine sind Node-RED, der MQTT-Zugang des Cerbo und Geduld. Der Rest ist Kleinarbeit an der eigenen Anlage.

Einordnung

Privates Projekt am eigenen Fahrzeug. Es besteht keine Verbindung zu Niesmann + Bischoff, Victron Energy oder einem anderen genannten Hersteller, und keine der Firmen hat damit etwas zu tun. Genannte Marken gehören ihren Inhabern.